– US-Präsident George W. Bush während einer Rede im Museum am 18. April 2007
Das U.S. Holocaust Memorial Museum ist ein lebendiges Mahnmal, das den Opfern des Holocaust gewidmet ist. Es erfüllt eine wichtige Aufgabe, indem es uns mit der Bedrohung durch Völkermorde und die damit verbundenen Verbrechen unserer Tage konfrontiert.
Als Google Earth im Juni 2005 erstmals veröffentlicht wurde, untersuchte die Akademie für die Verhinderung von Völkermorden des Museums, wie außenpolitische Experten Informationen über wachsende Gefahren von Völkermorden oder Massengräueltaten besser verbreiten könnten. Das Museum erkannte das Potenzial von Google Earth als Hilfe bei der Organisation und ebenso schnellen wie überzeugenden Präsentation von Informationen. Darüber hinaus erkannte man, dass Google Earth als effektive Plattform dienen könnte, um eine breite Öffentlichkeit über Völkermord und damit verbundene Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzuklären.
Crisis in Darfur, ein Projekt der Genocide Prevention Mapping Initiative des U.S. Holocaust Memorial Museum, mit der das Museum und Google in einem bisher einzigartigen Projekt versuchen, den Völkermord von Darfur durch die Kombination von Satellitenbildern mit Daten- und Multimedia-Ebenen zu beleuchten. Diese Partnerschaft wird auf sehr deutliche Weise die Aufmerksamkeit auf die weltweite Bedrohung durch Völkermorde lenken. Darüber hinaus zeigt dieses Projekt, wie Informationen über massenhaft verübte Grausamkeiten in Zukunft verbreitet und präsentiert werden.
Während der Krise wurden mehr als 300.000 Menschen getötet und 2.500.000 aus ihrer Heimat in der Region Darfur im westlichen Sudan vertrieben. In ganz Darfur wurden mehr als 1.600 Dörfer teilweise oder vollständig zerstört. Das Leben der Vertriebenen ist immer noch unsicher, während die verbliebenen Dörfer in ganz Darfur sowie die sich ausbreitenden Flüchtlingslager in der ganzen Region und im benachbarten Tschad auch weiterhin von Gewalt beherrscht werden.
Die Schuldigen des Völkermords operieren immer noch unter dem Deckmantel der Leugnung und Verschleierung. Die sudanesische Regierung behauptet weiterhin, dass weniger als 9.000 Zivilisten im Verlauf des "Bürgerkriegs" in Darfur getötet wurden. Behauptungen wie diese lassen sich leicht widerlegen, wenn alle Menschen weltweit Zugang zu hochauflösenden Satellitenbildern und anderen wichtigen Beweisen haben, die zuvor nur einigen wenigen Menschen zugänglich waren. Jetzt hat jeder Nutzer von Google Earth die Möglichkeit, die Zerstörung zahlreicher Dörfer aus nächster Nähe zu betrachten.
Die eigentliche Entwicklung begann mit der Bildung einer internationalen Freiwilligenorganisation mit dem Namen BrightEarth, die es sich zum Ziel gesetzt hat, zu erforschen, wie eine neue Generation von Kartierungsinstrumenten wie etwa Google Earth Menschen weltweit helfen könnte, bedrohte Bevölkerungsgruppen besser zu schützen. Zu den Teilnehmern gehörten Museumsmitarbeiter sowie Declan Butler, ein erfahrener Wissenschaftsjournalist beim Nature Magazine, Stefan Geens, Blogger und Betreiber des erfolgreichen Blogs www.ogleearth.com und die GIS-Mitarbeiter Mikel Maron, Timothy Caro-Bruce und Brian Timoney.
Durch die Zusammenarbeit mit Behörden der Vereinten Nationen, dem US-Außenministerium und nichtstaatlichen Organisationen erhielt das Museum Daten, die zuvor weit verstreut waren und in unterschiedlichen Formaten – darunter auch Papier-Landkarten, Tabellen und Texte – vorlagen.
Die Mitarbeiter des Museums und die freiwilligen Helfer von Bright Earth verbrachten mehr als ein Jahr damit, Informationen über die Zerstörung der Dörfer, die Lage der Flüchtlingslager, die zugelassene humanitäre Hilfe und andere Daten zusammenzutragen und schufen die ersten Entwürfe der KML-Ebenen Anfang 2006. Erstmalig wurden Bilder, Daten und Multimedia-Dokumente an einem Ort zusammengetragen.
Doch ohne die hochauflösenden Bilder wäre die Präsentation in Google Earth nur eine geringfügige Verbesserung gegenüber traditionellen Karten gewesen. Google erklärte sich bereit, die Bilderfassung für Darfur zu intensivieren. Das Google Earth-Team aktualisierte große Bereiche von Darfur zwischen Herbst 2006 und Frühjahr 2007 mit hochauflösenden Bildern.
Mit den Bildern allein war es jedoch nahezu unmöglich, die angegriffenen Dörfer zu finden. Mit den Daten allein konnte der Nutzer zwar das Gesamtbild der Angriffe in Darfur betrachten, hatte aber keinen Eindruck von den lokalen Auswirkungen auf die Dörfer und Siedlungen. Durch die Kombination der beiden Datensätze erhöhte sich die Wirkung.
Die Bilder der verbrannten Überreste der vielen Dörfer boten einen unwiderlegbaren Beweis für das Ausmaß der Zerstörung und die Auswirkungen angesichts der Hunderttausenden von Zelten in den in der Region verstreuten Flüchtlingslagern. Durch die Kombination von georeferenzierten Bildern und Videos der Museumsmitarbeiter und international anerkannter Fotografen sowie von Zeugenaussagen von Amnesty International bekam das Schicksal dieser Dörfer ein persönlicheres und eindringlicheres Gesicht.
Das Projekt "Darfur-Krise" ist der erste Versuch des Museums, den Opfern des Völkermords durch Google Earth eine Stimme zu geben. Jetzt arbeitet das Museum an innovativen Methoden zur Aktualisierung der Ebenen, um den Überlebenden, den Mitarbeitern der Hilfsorganisationen und allen anderen Menschen, die vom Völkermord in Darfur und überall auf der Welt bedroht sind, besser zu helfen, ihre Geschichte zu erzählen.

Eines von über 1600 beschädigten oder zerstörten Dörfern in Darfur; über 100.000 Häuser
wurden zerstört.
Nachdem Google Earth sich bereit erklärt hatte, die Ebenen des Museums als Standardinhalt für jeden Google-Nutzer zu integrieren, war klar, dass dieses Projekt weltweit großes Aufsehen erregen würde.
Crisis in Darfur wurde am 10. April 2007 gestartet. Der Start war das Thema von weltweit mehr als 500 Medienberichten allein in englischer Sprache und in vielen anderen Sprachen, von Arabisch bis Niederländisch. Hunderte von Blogs befassten sich mit dem Thema, und Lehrer, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Aktivisten nutzen Google Earth jetzt regelmäßig, um dem Völkermord ein Gesicht zu verleihen. Mehr als eine halbe Millionen Menschen haben die zusätzlichen Ebenen von der Website des Museums heruntergeladen und mehr als 100.000 haben die Website "What Can I Do?" besucht, um zu erfahren, wie sie helfen können.
Zwei Monate nach dem Start verzeichnet die Website des Museums immer noch 50 Prozent mehr Besucher als zuvor. Das Projekt hat die globale Reichweite der Website erheblich erweitert – der Prozentsatz der Besucher aus dem Ausland ist im vergangenen Jahr von 25 auf 46 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Besuche allein aus dem Sudan hat sich mehr als verzehnfacht.
Diese Reaktion zeigt, dass Nutzer auf der ganzen Welt sich mehr Technologieanwendungen wünschen, die sie auf sinnvolle und persönliche Weise mit den weltweiten Geschehnissen verbinden. Google Earth-Nutzer können jetzt nicht nur ihr Heim aus nächster Nähe betrachten, nach Restaurants suchen oder Städte in 3D erleben, sondern auch das größere Potenzial des virtuellen Globus kennenlernen, wenn sie mit eigenen Augen sehen, was in Darfur passiert.
Google Earth wird seit Kurzem auch von den Behörden der UN genutzt, um kritische Informationen vor Ort und in der Zentrale zu organisieren und weiterzugeben. Auch einige nichtstaatliche Organisationen haben begonnen, Google Earth zu nutzen. Doch die Möglichkeiten, Google Earth zu nutzen, um Völkermorde zu verhindern, sind weiterhin begrenzt.In Kombination mit den neuen partizipativen Web 2.0-Ansätzen könnte Google Earth helfen, die operative Reaktivität und Frühwarnmöglichkeiten durch kollaborative und dynamische Kommunikationsmöglichkeiten, die es der Gesellschaft ermöglichen, wichtige Informationen auszutauschen und Menschen zu helfen, die Welt mit anderen Augen zu sehen, zu verbessern.
Die Verbesserung des schnellen Zugriffs auf Satellitenbilder ermöglicht es Menschen weltweit durch die Nutzung von Google Earth, von Völkermord bedrohte Regionen zu überwachen und die Fähigkeit der Organisationen, effizient zu reagieren, zu unterstützen. Die Nutzung von Satellitenbildern könnte dazu beitragen, potenzielle Täter davon zu überzeugen, dass ihre Angriffe gegen Zivilisten von der Weltgemeinschaft nicht unbemerkt bleiben. Darüber hinaus könnten diese Initiativen zur Schaffung eines glaubhaften und weltweit zugänglichen öffentlichen Protokollbuchs führen, das die Zuweisung von Verantwortungen nach Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermorden und anderen Missbräuchen unterstützt.

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