Detlev Buck – Regisseur, Drehbuchautor und Produzent aus Bad Segeberg

Detlev Buck – Regisseur, Drehbuchautor und Produzent aus Bad Segeberg

Das Leben ist kein Ponyhof!

Von den Norddeutschen heißt es, dass sie trocken und nüchtern sind, rau und herzlich. Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Detlev Buck ist ein typischer Norddeutscher. Er duzt jeden und möchte mit „Buck”, nicht etwa „Herr Buck”, angesprochen werden. „Buck” macht wenig Aufhebens um seine Person, dabei ist er einer der wichtigsten deutschen Filmemacher der letzten 20 Jahre.

Geboren wurde Detlev Buck 1962 in Bad Segeberg und wuchs als Einzelkind auf dem elterlichen Bauernhof (25 Hektar, 30 Milchkühe, drei Trecker) in dem 450-Seelen-Dorf Nienwohld in Schleswig-Holstein auf. „Allein unter Schweinen“, wie er selbst sagt. Pflügen und Misten gehörten zu seiner Jugendzeit. Und das Geschichtenausdenken. Dafür hatte er jede Menge Zeit. Nach dem Abitur in Bargteheide und dem Zivildienst in Hamburg absolviert Detlev Buck eine Lehre als Landwirt. Eines Tages kommt er vom Jauchefahren, riecht entsprechendstreng und nimmt drei gutbetuchte Anhalterinnen aus Hamburg mit, die in die Disco wollen. „Hast du Meerschweinchen?” fragen die Mädchen weltfremd. „Nee, das ist Landluft”, erklärt ihnen der 21-jährige Detlev Buck.

Die Begegnung mit den reichen Hamburger Töchtern  findet Buck so „putzig”, dass er daraus in nur 14 Drehtagen seinen ersten Film macht. Der 43 Minuten lange Film heißt „Erst die Arbeit und dann?“ und erzählt, wie sich ein Jungbauer aus Holstein (von Buck selbst gespielt) den Mercedes seines Vaters ausleiht, um in Hamburg einmal richtig „die Sau rauszulassen”. Das Publikum liebt die Geschichte von dem Landwirt in der Großstadt und schlägt sich begeistert auf die Schenkel, als Buck im Film breitbeinig die teure Szenekneipe im schicken Stadtteil Eppendorf betritt, an einen Tisch geht, in die Runde blickt, „Ich mach mal so!“ ruft und danach dreimal mit der Hand laut auf die hölzerne Tischplatte klopft – ganz so wie zu Hause im Dorfkrug.

Buchs erster richtiger Kinofilm spielt auch in Schleswig-Holstein auf dem platten Land. In „Karniggels“ wird ein junger Polizist von der Polizeischule in Eutin nicht, wie er hofft, in die große Stadt (nach Kiel oder Lübeck) versetzt, sondern aufs Kaff, nach Barmstedt, und muss dort einen Kuhmörder fassen. Auch in diesem Film beleuchtet Buck mit viel Humor die norddeutsche Provinz, durch die er seinen tollpatschigen Antihelden unbeholfen stolpern lässt. Der typische Norddeutsche ist dabei gar nicht so distanziert und schmallippig, wie alle denken. Spontan,  exibel, offen und sogar tanzwütig sei er, meint Buck. Buck selbst redet auch gerne viel. Und wenn er mal schweigsam ist, dann hat das einen Grund: Dann ist ihm langweilig.

Detlev Buck hat viele Filme gedreht: Knastkömodien („Männerpension“), Travestiekomödien („Rubbeldiekatz“), Geschichten über den Mauerfall und die Deutsche Wiedervereinigung („Sonnenallee“). Als Darsteller hat er Häftlinge („Hammer-Gerd“ in „Männerpension“), DDR-Polizisten („Obermeister Horkefeld“ in „Sonnenallee“), einen zwielichtigen Schuhverkäufer („Ignaz Springer“ in „Blue Moon“) und einen langhaarigen Kneipenwirt („Karl“ in „Herr Lehmann“) gespielt. Doch immer wieder zieht es Detlev Buck nach Norddeutschland.

Unter der Woche arbeitet er in Berlin und Hamburg, die Wochenenden verbringt er aber mit seiner Familie zu Hause in Nienwohld. Das ländliche Leben liegt ihm am Herzen. Als er 2006 mal wieder Erholung von der Großstadt braucht, zieht er kurzerhand für einen Sommer aufs Land und dreht einen Film über ein kleines Dorf hinter Ratzeburg, das Widerstand gegen den Bau eines Einkaufszentrums leistet („Hände weg von Mississippi“). In dem Film ist Buck auch als dicklicher Dorfpolizist zu sehen.

Vor zwei Jahren hat es ihn in die große weite Welt gezogen, nach Ecuador. Dort hat er an der Verfilmung des bekannten Buches von Daniel Kehlmann „Die Vermessung der Welt“ gearbeitet – und ist damit auf die Nase gefallen. Der Kino Film fiel bei den Kritikern und an der Kinokasse durch. Kein Wunder, Ecuador ist ja nicht Norddeutschland und eine Doppelbiographie über das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Naturforscher und „Wissenschaftsfürst“ Alexander von Humboldt passt auch nicht so richtig zu Buck.

Zur Belobung für die Strapazen im Ausland hat er im letzten Sommer in Loit, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Schleswig, seinen neuesten Kino lm „Bibi & Tina – der Film“ gedreht. In dem Film geht es um die Abenteuer der Hexe Bibi Blocksberg und ihrer Freundin Tina auf einem Reiterhof. Für Buck ist der Film eine Rückkehr zu seinen Anfängen: „Es ist, als ob wir Ferien machen würden. Ich werde hier auch wieder zum Jugendlichen“.

www.bojebuck.de
www.silbersee-film.de

TEXT Slaven Marinovic