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Instrumentenwissen Der Kontrabass – gemütlicher Diplomat mit Tiefgang

Der Kontrabass hat zu allem was zu sagen, wählt die Töne aber mit Bedacht und wahrt stets Haltung! Sylvia Schreiber hat den Kontrabassisten Juan Ruiz und seine Kontrabass-spielende Tochter Mariclara besucht und sich erklären lassen: Der Kontrabass ist sowas wie der Diplomat im Orchester.

ARD-Musikwettbewerb Kontrabass | Bildquelle: © Julia Müller

Bildquelle: © Julia Müller

Sein Idealmaß liegt bei gut 190 cm, von der Unterkante bis zur Schnecke. Entscheidend für den Klang ist aber nicht die Größe, sondern die Länge der schwingenden Saite. Und die beträgt um die 105 cm. Kontrabass ist nicht gleich Kontrabass. Es gibt den "klassischen Fünfsaiter" für den im 18. Jahrhundert viele Solokonzerte entstanden sind. Und einen Modernen! Dessen tiefes H brummt mehr, als dass es klingt.

Die Kontrabässe haben die Basis, das Fundament von der Harmonie und Rhythmus. Damit alles ein bisschen abgerundet klingt.
Kontrabassist Juan Ruiz

BR-KLASSIK Instrumentenwissen

Ob heller Streicherklang oder tiefes Blech, ob gezupft oder geschlagen: Wir stellen Ihnen verschiedene Instrumente vor – und räumen mit so machen Mythen und Klischees auf. Alle bisher vorgestellten Instrumente im Überblick

Das ABC der Bassisten auf der ganzen Welt: SÜSSKINDS "Kontrabass"

Ein gewöhnlicher Bass hat vier Saite und die sind in Quarten auf E, A, D und G gestimmt. Um so einen Bass geht’s auch in Patrick Süsskinds Bühnenstück "Der Kontrabass" - dem berühmten Monolog eines verliebten und verklemmten Kontrabassisten. Das Buch ist DIE Pflichtlektüre für alle Kontrabassistinnen und Bassisten. Sogar in Panama, der Heimat von Juan Ruiz.

Dicker Brummer

Für Juan Ruiz war das Theaterstück zudem das perfekte Lehrbuch, allerdings weniger fürs Kontrabassspielen: "Ich hab ein Hörbuch gekauft, als ich nach Deutschland kam, eines der Bücher, das ich gehört habe, um Deutsch zu lernen." Während man den Kontrabass als Buch gut in die Tasche stecken kann, tut man sich beim Transport des Instruments schwer. Dabei ist es gar nicht das Gewicht: Auf die Waage bringt der Kontrabass nur so viel wie ein gut gefütterter Dackel, also um die zehn Kilo. Allerdings ist so ein Bass wegen seines dicken Bauchs, sprich Korpus, weitaus unhandlicher. Glück haben da die Profimusiker, denn professionelle Orchester haben eigene Instrumente, nur den Bogen nimmt man normalerweise selbst mit. Bei einem Bogen mit einer Länge von gerade mal 70 cm und einem Gewicht von 140 Gramm fast nicht der Rede wert. Obwohl Bassisten gerne darüber reden ...

Studierende hingegen brauchen für das Instrument also entweder einen Transporter, eine Sackkarre oder trainierte Schultern, wie die 15 Jahre junge Kontrabasspielerin Mariclara Ruiz-Neudauer: "Also bei mir ist das nicht so, weil ich in einem Jugendorchester bin. Da habe ich Reifen, die schnallt man an die Kontrabasshülle dran. Und dann legt man sich den über die Schulter und dann fährt man den." Weil es den Kontrabass in verschiedenen Größen gibt, sogar schon für Kinder, braucht man nicht unbedingt Riesenpranken zum Spielen. Große Hände mögen zwar hilfreich sein, aber in der Regel spielt man auf dem Kontrabss nur einen Ton und selten Akkorde.

Entspannte Typen

Innerhalb eines Orchesters sitzen am Kontrabass für gewöhnlich entspannte Typen. Kann am wohligen tiefen Klang liegen, kann aber auch ganz praktische Gründe haben. Für Kontrabassistin Mariaclara Ruiz-Neudauer könnte das daran liegen: "Ich glaub, dass so ein erster Geiger, zweites Pult oder so, deutlich mehr gestresst ist während einer Probe, als der Kontrabassist. Weil der auch mehr zu tun hat!"

Alles begann in Italien

Vor 500 Jahren begann die Geschichte des Kontrabasses in Oberitalien. Damals gehörte er hauptsächlich zur Bassgruppe, mit Cembalo und Cello. Er hat sich aber längst emanzipiert und kann weitaus mehr als das alte Kinderlied "Drei Chinesen mit dem Kontrabass". Giovanni Bottesini heißt einer der Hausgötter. Sein berühmtes Konzert für den Kontrabass, das zweite, ist ein heikles Werk. Es fängt mittig an, in der Mitte vom Kontrabass und das geht ziemlich nach oben. Es wird ja meistens das zweite Konzert von Bottesini gespielt.

Von Klassik bis Salsa

Arbeit kann man also jede Menge in den Bass stecken und das auch noch in vielen verschiedenen Genres. Weil der Kontrabass sich überall eingenistet hat, nicht nur als Diplomat im klassischen Sinfonieorchester. Mit seinen vielen verschiedenen Spieltechniken von Zupfen bis Streichen taucht er auf in der Rockband auf, in der Kammermusik, beim Jazz, in der Bigband und der Salsa-Truppe. Der Kontrabass macht also zumindest im Spanischen seinem Namen alle Ehre: "Contrabajo heißt Kontrabass auf Spanisch, aber wenn man es anders betont, dann sagt man Con trabajo. Und das heißt: mit Arbeit", so Juan Ruiz.

Sendung: "Allegro" am 2. November 2023 ab 06:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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Samstag, 04.November, 17:04 Uhr

Günter Hölscher

Kontrabass

Mit des Basses tiefem Grunzen / kann man die Musik verhunzen. Doch in Brahmsens 4. Sinfonie / klingt er so schön wie vorher nie.

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