Stiftung zur nachhaltigen Entwicklung des Amazonas

Autor
Gabriel Ribenboim
Organisation
Fundação Amazonas Sustentável (FAS)
Verwendete Tools
Google Street View

Das Projekt "Street View for the Amazon" begann 2009, als Virgilio Viana, CEO der Stiftung zur nachhaltigen Entwicklung des Amazonas (Fundação Amazonas Sustentável, FAS), und Gabriel Ribenboim, International Program Manager der FAS, beim COP15-UN-Klimagipfel in Kopenhagen Rebecca Moore, Director of Google Earth Outreach, die Idee präsentierten, nach dem Vorbild von Street View "River View"- und "Forest View"-Bilder aufzunehmen. Google war von den Möglichkeiten begeistert und wir begannen, das Projekt gemeinsam zu planen.

Nebenfluss des Rio Negro im Schutzgebiet für nachhaltige Entwicklung – Großansicht aufrufen

Die FAS hat es sich zur Aufgabe gemacht, nachhaltiges Engagement sowie den Erhalt der Umwelt zu fördern und gleichzeitig die Lebensqualität von Gemeinschaften zu verbessern, die in geschützten Gebieten des Amazonas leben. Wir arbeiten daran, dass Menschen in Schutzgebieten des Amazonas mit nachhaltigen Tätigkeiten Einkünfte erzielen und dadurch die Artenvielfalt erhalten bleibt sowie Abholzung und Armut reduziert werden. Durch das Projekt und die Zusammenarbeit mit Google können wir unsere Erfolgsgeschichten mithilfe innovativer Technologien publik machen und Menschen auf der ganzen Welt für die Erhaltung des Waldes gewinnen. Wenn sie den Wald, die Flüsse und die dort lebenden Gemeinschaften sehen, wächst die Bereitschaft, unsere Bemühungen zu unterstützen.

Amazonas-Regenwald im Schutzgebiet für nachhaltige Entwicklung am Rio Negro – Großansicht aufrufen

Vorgehensweise

Als das Projekt im folgenden Jahr konkrete Gestalt annahm, unterbreiteten wir Vorschläge dazu, was an welchen Orten in der Reserva de Desenvolvimento Sustentável do Rio Negro – einem Schutzgebiet des brasilianischen Bundesstaats Amazonas für nachhaltige Entwicklung – aufgenommen werden sollte. Im August 2011 animierten wir Google Street View- und Earth Outreach-Teams, im Schutzgebiet vom Wasser bzw. Boden aus einen 50 Kilometer langen Abschnitt des Rio Negro, einen Waldpfad am Amazonas und einige Bereiche in fünf Uferdörfern aufzunehmen. Außerdem baten wir das Staatssekretariat für Umwelt (Secretaria Estadual do Meio Ambiente, SEMA) und die staatliche Behörde für geschützte Gebiete, von denen die Aufnahmen auch genehmigt wurden, diese bahnbrechende Partnerschaft zu unterstützen. Der ausschlaggebende Punkt für den Erfolg des Projekts waren die Kommunikation und Konsultation auf lokaler Ebene. Vor den Aufnahmen hat die FAS die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Dorfgemeinschaft gesucht und Versammlungen abgehalten, um die Zustimmung der Bewohner einzuholen, ihr Interesse zu wecken und ihre Meinung zu hören. Seit dem 21. März 2012 (Internationaler Tag des Waldes) kann über die Street View-Funktion in Google Maps auf die Bilder zugegriffen werden.

Virgilio Viana, CEO von FAS, erklärt Einwohnern von Tumbira das Street View-Projekt

Auf dem Dach eines Boots befestigten wir ein Street View-Trike und machten damit Aufnahmen von einem Abschnitt des Rio Negro und seinen Nebenflüssen. Der Rio Negro ist der größte Amazonas-Zufluss und der gewaltigste Schwarzwasserfluss der Welt. Es war das erste Mal, dass wir in einem naturbelassenen Ökosystem wie diesem von einem Fluss aus Street View-Bilder erstellten. Deshalb waren wir uns nicht ganz sicher, ob es gut funktionieren würde. Aber es klappte wunderbar.

Umgestaltetes Street View-Trike für Aufnahmen von Flüssen und Nebenflüssen

"Ich war sehr beeindruckt, wie gut diese Technologie in widrigen Umgebungen wie Wäldern, Flüssen und schattigen Gebäuden funktionierte. Die Teams von Google und FAS arbeiteten untereinander sowie mit den Dorfgemeinschaften harmonisch zusammen und konnten dadurch – mit Respekt für die Umgebung der Einheimischen und ihre Lebensweise – hochwertiges Bildmaterial erstellen."

Gabriel Ribenboim, FAS-Projektleiter

Für Bodenbilder von fünf Siedlungen am Rio Negro strampelten Mitarbeiter der FAS und Einwohner mit dem Street View-Trike über unbefestigte Wege und Grasflächen. Die von der FAS ausgewählten Gemeinden nehmen am "Bolsa Floresta"-Programm der Stiftung teil. Dabei werden in 15 Schutzgebieten des Bundesstaats Amazonas traditionelle Gemeinschaften unterstützt, die zum Erhalt der ökologischen Funktion des Waldes beitragen.

In jeder Siedlung fanden sich Freiwillige, die halfen, das Trike auf dem Boot zu befestigen bzw. es für den jeweiligen Einsatz loszumachen. Angesichts des Gewichts der Ausrüstung (mehr als 200 kg) und der schwierigen Umgebung war das gar nicht so einfach.

Ortsansässiger am Rio Negro macht Aufnahmen mit dem Street View-Trike

Mithilfe einer Stativkamera mit Fischaugenobjektiv, das üblicherweise für Fotos von Geschäftsräumen verwendet wird, machten wir Innenaufnahmen von mehreren Gemeinschaftseinrichtungen wie der Krankenstation und der Schule sowie Bilder von einem Waldpfad in der Nähe. Mehr als 2.000 Fotos wurden zu 200 eindrucksvollen 360-Grad-Panoramaansichten zusammengefügt, die Sie sich in der Galerie ansehen können. Die Panoramen ermöglichen einen virtuellen Rundgang durch die Gebäude sowie das Innere des Waldes und bieten damit seltene Einblicke in das Leben im Amazonas-Regenwald.

Victor Salviati, Special Project Coordinator der FAS, bei Waldaufnahmen mit der Stativkamera

Ergebnis

Viele Gegenden des Amazonas, einschließlich des Gebiets am Rio Negro, stehen unter dem Schutz des brasilianischen Staats. Die Öffentlichkeit hat nur eingeschränkt Zugang dazu. Wir hoffen daher, mit unserer Street View-Sammlung diesen besonderen Flecken Erde möglichst vielen Menschen (auch in Brasilien) zugänglich zu machen, denen er sonst verschlossen bliebe.

Außerdem wissen die Dorfgemeinschaften in der Reserva de Desenvolvimento Sustentável do Rio Negro, wie wichtig es ist, die Weltöffentlichkeit über die Lebensweise, die Umwelt und die Herausforderungen in dieser Region zu informieren. Weil Google Street View ein weltweites Publikum erreicht, sind wir überzeugt, dass die dort ansässigen Menschen in ihrer Sensibilisierungsarbeit für den Schutz des Waldes gestärkt werden.

Die FAS hat – eingebunden in ein solides Führungssystem – eine neue institutionelle Anlaufstelle geschaffen, um Waldbewohner, den Staat, den privaten Sektor und Spender für aktionsorientierte Programme zu gewinnen. Aber dieses Instrument ist auch wichtig, um Millionen von Bürgern und Tausende von Unternehmen auf die Herausforderungen des Kampfes gegen Klimawandel, Abholzung und Armut in abgelegenen Gebieten des Amazonas-Regenwaldes aufmerksam zu machen.

Das Projekt "Street View for the Amazon" trägt zu einem höheren Bekanntheitsgrad der FAS bei und zeigt unsere laufenden Aktionen mit Dorfgemeinschaften vor Ort. Durch die stärkere Außenwirkung sind mehr Unternehmen an Partnerschaften mit uns interessiert. Das hilft der FAS, ihre Aufgabe zu erfüllen und den Umweltschutz sowie die Armutsbekämpfung voranzutreiben.

Innerhalb von zwei Tagen nach Veröffentlichung der Street View-Bilder vom Amazonas nahmen die Zugriffszahlen für unsere Website gewaltig zu – nämlich um 600 % für die englische und 25 % für die portugiesische Version. In den ersten drei Tagen sahen sich mehr als 100.000 Menschen auf YouTube das Video über die Entstehung der Bilder an.

Wenn Sie auf der Karte von Brasilien den Pegman auf den Rio Negro ziehen, sehen Sie die Bilder direkt in Google Maps.

Sie können sich alle Bilder in Ruhe ansehen. Denjenigen, die es eiliger haben, bieten wir jeweils eine Google Earth-Tour auf dem Fluss, im Wald und durch das Dorf Tumbira.

Hinweis der FAS: Die Reserva de Desenvolvimento Sustentável do Rio Negro wurde 2008 von der Regierung des Bundesstaats Amazonas eingerichtet, um die Umwelt und die dort lebenden Gemeinschaften zu schützen. Für die Verwaltung ist die staatliche Behörde für geschützte Gebiete des Staatssekretariats für Umwelt zuständig. Der Zugang Gebietsfremder in das Schutzgebiet wird von den Behörden des Bundesstaats Amazonas überwacht.